Berufsberatung beim eigenen Kind

Vor ein paar Wochen informierte mich mein Mann, dass sich sein Patenkind für ein Jurastudium entschieden hatte.

Mein erster Gedanke war:

„Waas?! Eine 18-Jährige entscheidet sich im heutigen Zeitalter für Jura?!“

Dazu muss ich erwähnen, dass ich selbst Juristin bin und eine Reaktion im Stile von: „Oh wie schön! Lena hat sich für ein Jurastudium entschieden, so wie ich mich damals“ wohl naheliegender gewesen wäre.

Was also hat mich so überrascht?

– Es gibt heutzutage so viel mehr Möglichkeiten für eine Ausbildung, als wir damals im selben Alter hatten. Berufe, die es damals noch gar nicht gab, sind heute eine Selbstverständlichkeit.

– Jegliche online-Studiengänge sind nur einen Klick entfernt, sei das an einer Uni/Fachhochschule/Akademie in Sydney, Los Angeles oder Rio. Internet sei Dank sind die Möglichkeiten wortwörtlich grenzenlos geworden.

– Entspricht dieses Studium überhaupt Lenas Fähigkeiten, ihren Wünschen, ihren Interessen, ihrer Persönlichkeit? Oder ist das nicht viel mehr das Umfeld das sagt: „Studiere etwas ‘Richtiges’, mit dem du später viel Geld verdienen kannst“?

Ich bin vor solchen Gedanken bei meinem eigenen Kind natürlich auch nicht gefeit. Denn wir von der Generation X sind die „Zwischengeneration“, die von der letzten Kriegsgeneration erzogen wurde, wo soziale und finanzielle Sicherheit zu den höchsten erreichbaren Gütern zählte. Ergo der Wunsch nach einer „soliden Ausbildung“ mit einem „guten Abschluss“, damit man „Karriere“ und viel oder mindestens genügend „Geld machen“ kann.

Alles verständlich.

Aber überhaupt nicht mehr zeitgerecht.

Unser Gedankengut, das noch sehr vom letzten (und vorletzten!) Jahrhundert geprägt und noch fest in uns verankert ist, hat überhaupt nichts mehr mit der Denke und sozialpolitischen Situation unserer Kinder der Generation Z bzw. Generation Alpha zu tun. Unsere Kinder sind diejenigen, die die digitale Revolution nicht mehr wie wir miterleben, sondern schon von deren Früchte profitieren.

Dazu kommt, dass sie wohl einen Beruf ausüben werden, den wir heute noch nicht mal kennen und generell sehen sie das Thema Ausbildung nicht mehr so starr an, wie wir noch: zum Beispiel finden sie Reisen genau so wichtig (wenn nicht wichtiger) wie einen Uni-Abschluss.

Und ein ganzes Leben lang denselben Beruf ausüben?! Sicher nicht.

Somit liegt es an uns Eltern, unseren Kindern einen neuen Weg in die Zukunft zu ebnen und ihnen die Freiheit zu lassen, ihren eigenen Weg zu gehen. Einen Weg, den wir selbst vielleicht noch nicht kennen und eventuell gar nicht klar sehen können.

Bei Unsicherheiten beim Kind ist auf jeden Fall die Arbeit mit einem Berufs-Coach hilfreich, um herauszufinden: wo liegen die Stärken meines Kindes? Welche Talente, Fähigkeiten und Interessen hat es? Was liegt ihm, wovor graut ihm? Was macht mein Kind glücklich? Wie wichtig ist ihm Geld/soziales Ansehen? Wie wichtig ist ihm der Kontakt zu Menschen? Reisen? Unabhängigkeit? Die Arbeit im Team? Wie sehr lässt es sich vom gesellschaftlichen Geschwafel rundherum beeinflussen im Stile von „Das ist doch kein anständiger Beruf! Mit dem verdient man doch kein Geld! Dafür bist du jetzt jahrelang ins Gymnasium, um so einen Beruf auszuüben?“

Also lassen wir uns überraschen, wohin die berufliche Reise unserer Kinder führen wird! Hauptsache, sie finden ihre Erfüllung.

Eure

Berufsberatung beim eigenen Kind

Petticoat-Tipp: Beobachte einmal Deine Gedanken zu dem Thema.

Hast Du Erwartungen, an welche Schule Dein Kind kommen MUSS, oder MUSS ein Hochschulabschluss sein, oder MUSS Dein Kind einmal den Familienbetrieb übernehmen?

Und dann frage Dich: wieso muss das denn so sein? Wer bestimmt das?

Und welche Emotionen kommen in Dir hoch, wenn Dein Kind in Deinen oder den gesellschaftlichen Augen einen „unkonventionellen“ Weg einschlagen möchte? Wovor hast Du dann Angst? Ist diese Angst begründet?

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